Mitteilungsblatt 1/2026, 13. Februar 2026
RATGEBER APOTHEKENPRAXIS
siumcitrat oder -aspartat 5 bis 10 % hö her als für Magnesiumoxid oder -carbo nat [4]. Dies ist klinisch vermutlich nicht relevant. Entscheidend für das Ausmaß des Anstiegs der Magnesiumkonzent ration im Blut ist vielmehr der aktuelle Versorgungsstatus – je schlechter dieser ist, desto mehr Magnesium wird aufge nommen – sowie die absolut zugeführte Magnesiummenge. Bei Gesunden besteht somit kein klinisch relevanter Unterschied zwischen den verschiedenen Salzen. Eine Ausnahme bilden Patient*innen mit eingeschränkter Magensäuresekretion, zum Beispiel infol ge einer Gastritis oder der Einnahme von Antazida. In diesem Fall ist die Löslichkeit anorganischer Salze stärker eingeschränkt als die von organischen Verbindungen. Als besonders wirksam werden zurzeit Produkte mit Magnesium-L-Threonat beworben. Es wird postuliert, dass Ma gnesium-L-Threonat die Bluthirnschranke überwinden könne und daher besonders gut zur Förderung der geistigen Leistungs fähigkeit sei. Es verbessere somit die Kon zentration, mindere Vergesslichkeit und steigere das Lernvermögen. Sogar zur Prävention oder Therapie einer Demenz könne es helfen. Für diese Behauptungen gibt es bisher keinerlei fundierte Beweise. Als Beleg für diese Behauptungen wird meist eine kleine klinische Studie an nur 44 Patienten angeführt, die Magnesium-L Threonat gegen Placebo testete [5]. Diese Studie reicht allerdings – schon aufgrund der viel zu geringen Probandenzahl – für einen validen Wirksamkeitsbeweis nicht aus. Auch eine Überlegenheit von Magne sium-L-Threonat gegenüber anderen Ma gnesiumsalzen kann damit nicht gezeigt werden, da nur gegen Placebo getestet wurde. Wie andere Magnesiumsalze zer fällt auch Magnesium-L-Threonat vor der Resorption in Ion und Gegenion, und freie Magnesiumionen werden im Darm resor biert. Die Art des Magnesiumsalzes spielt für die Resorption daher nur eine unterge ordnete Rolle. Relevant für Personen mit eingeschränk ter Magensäuresekretion Magnesium-L-Threonat: viel gehypt, aber keine fundierten Beweise
Obwohl ein Magnesiummangel in Deutschland selten vorkommt, ist die Nachfrage nach geeigneten Ma gnesiumpräparaten groß.
Wirksamkeitsnachweis. Sie unterliegen in Bezug auf Reinheit und Gehalt nicht den strengen Auflagen eines Arzneimittels. Der tatsächliche Gehalt kann bei mineral stoffhaltigen NEM um bis zu 45 % nach oben und 20 % nach unten vom deklarier ten Gehalt abweichen [6]. <
Hinzu kommt, dass Produkte mit Magne- sium-L-Threonat nur als Nahrungsergän zungsmittel (NEM) verfügbar sind. Zu- gelassene Arzneimittel gibt es in Deutsch land nicht. NEM müssen im Gegen satz zu Arzneimitteln nicht zugelassen werden und benötigen daher keinen
Zusammenfassung: Die Wahl des Magnesiumsalzes scheint bei Gesunden nicht entscheidend zu sein – letztlich liegen alle Magnesiumsalze im Darm in gelöster Form vor. Die Re sorption im Dünndarm ist bei organischen Verbindungen geringfügig höher als bei anorganischen Verbindungen. Dies ist vermutlich klinisch nicht relevant. Viel wichtiger sind hingegen die absolut zugeführte Menge an Magnesium sowie der Versorgungsstatus: Bei einem Mangel wird deutlich mehr Magnesium aufgenom men als bei einem ausreichenden Magnesiumspiegel. Bei Patient*innen mit einer beeinträchtigten Magensäuresekretion, zum Beispiel bei Gastritis, Zustand nach Magen-OP oder bei Einnahme von Protonenpumpenhemmern/H2-Blockern, könn ten organische Salze möglicherweise einen Vorteil haben.
Quellen: [1] Bundesinstitut für Risikobewertung: Höchstmengenvorschläge für Magnesium in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmit teln, https://www.bfr.bund.de/cm/343/hoechst mengenvorschlaege-fuer-magnesium-in-lebens mitteln-inklusive-nahrungsergaenzungsmitteln. pdf, abgerufen am 18.12.25 [2] D-A-CH (2015). Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Österreichische Gesellschaft für Ernäh rung, Schweizerische Gesellschaft für Ernährung. Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. 2. Auflage, 1. Ausgabe. Neuer Umschau Buchverlag. [3] EFSA (2015). EFSA NDA Panel (EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies).
Scientific Opinion on Dietary Reference Values for magnesium. EFSA Journal 13: 4186, 63 pp. [4] Ströhle A et al. Magnesium – (k)eine Frage der Verfügbarkeit? Medizinische Monatsschrift für Pharmazeuten, Ausgabe 9/2018 [5] Liu G et al. Efficacy and Safety of MMFS-01, a Synapse Density Enhancer, for Treating Cognitive Impairment in Older Adults: A Randomized, Dou ble-Blind, Placebo-Controlled Trial. J Alzheimers Dis. 2016;49(4):971-90. doi: 10.3233/JAD-150538. PMID: 26519439; PMCID: PMC4927823. [6] https://food.ec.europa.eu/system/ files/2021-11/labelling_nutrition-vitamins_mine rals-guidance_tolerances_1212_de.pdf
AKWL Mitteilungs blatt 01-2026 / 13
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