Mitteilungsblatt 3/2026, 14. August 2026
EDITORIAL
Ein Erfolg mit Perspektive
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Medikationsmanagements und der Einweisung in Injektionstech niken – unterstreichen, dass unsere Expertise weit über die siche re Arzneimittelabgabe hinausgeht. Sie machen sichtbar, welchen Mehrwert die Apothekenteams vor Ort täglich für die Gesund heitsversorgung leisten. Besonders praxisnah ist zudem die neue Möglichkeit der An schlussversorgung. Patientinnen und Patienten können unter klar definierten Voraussetzungen verschreibungspflichtige Arznei mittel auch ohne aktuelles Rezept erhalten, wenn eine Therapie nicht unterbrochen werden darf. Das schafft Versorgungssicher heit und stärkt das Vertrauen in unsere fachliche Verantwortung – obgleich Probleme wie die Kostenübernahme noch angegan gen werden müssen. Für viele dieser Neuerungen braucht es noch Schulungen, Stan dardarbeitsanweisungen oder Rechtsverordnungen, bevor sie in der Fläche umgesetzt werden können. Sie können sich darauf verlassen, dass Ihr Team im münsterischen Apothekerhaus Ihnen dabei mit Rat und Tat zur Seite stehen wird – von persönlichen Auskünften bis zu maßgeschneiderten Fortbildungsangeboten. Nutzen wir die Zeit gemeinsam, um uns vorzubereiten. Denn die se Reform ist kein Endpunkt, sondern ein Aufbruch. Die öffentliche Apotheke wird noch stärker das Gesicht einer wohnortnahen, verlässlichen und menschlichen Gesundheitsver sorgung. Lassen Sie uns die neuen Möglichkeiten mit Selbstbe wusstsein gestalten und gleichzeitig weiterhin geschlossen für faire wirtschaftliche Rahmenbedingungen eintreten. Denn eines hat die Fixumserhöhung gezeigt: Wer gemeinsam und beharrlich für die Apotheke kämpft, kann etwas bewegen.
es gibt Momente, in denen sich Beharrlichkeit auszahlt. Die jetzt beschlossene Erhöhung des Apothekenfixums ist ein solcher Mo ment. Viele Jahre haben wir als Berufsstand mit Nachdruck dafür gekämpft, dass die unverzichtbare Leistung der öffentlichen Apo theken endlich wieder angemessener honoriert wird. Nun ist das Fixum zum 1. Juli zunächst auf 9,00 Euro gestiegen. Anfang 2027 steigt es auf 9,50 Euro pro Rx-Packung. Das ist ein Erfolg, den wir gemeinsam erreicht haben. Und ja, wir sehen auch die Kehrseite. Die gleichzeitige Anhebung des Kassenabschlags schmälert den finanziellen Effekt erheblich. Zwei Schritte nach vorn, einer zurück – so lässt sich die Reform durchaus beschreiben. Dennoch sollten wir den Blick nicht allein auf das richten, was noch nicht erreicht wurde. Wer über Jahre für bessere Rahmenbedingungen kämpft, weiß: Fortschritt ent steht selten in großen Sprüngen. Er entsteht durch Ausdauer, Ge schlossenheit und die Bereitschaft, sich immer wieder einzubrin gen. Genau das hat unser Berufsstand bewiesen. Doch diese Reform ist weit mehr als eine Honorardebatte. Sie stärkt die Rolle der Apotheke als niedrigschwellige Institution in Gesundheitsfragen und eröffnet uns neue Möglichkeiten, unsere pharmazeutische Kompetenz noch stärker zum Wohl der Patien tinnen und Patienten einzusetzen. Die Ausweitung der Schutzimpfungen ist dafür ein gutes Bei spiel. Künftig sollen Erwachsene mit allen Totimpfstoffen in Apotheken geimpft werden können – sobald die notwendigen Schulungscurricula und organisatorischen Voraussetzungen ge schaffen sind. Damit wächst unsere Verantwortung, aber auch unsere Bedeutung im Gesundheitswesen. Gleiches gilt für die Möglichkeit venöser Blutentnahmen und neuer patientennaher Diagnostik, die nach entsprechender Qualifizierung durch Ihre Kammer schrittweise Einzug in den Apothekenalltag halten werden. Auch die pharmazeutischen Dienstleistungen werden kon sequent weiterentwickelt. Neue Angebote – von der Ein schätzung des individuellen Herz-Kreislauf- und Diabe tesrisikos über Tabakentwöhnung bis hin zu erweiterten
Gabriele von Elsenau Overwiening Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe E-Mail: praesidium@akwl.de
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