Mitteilungsblatt 3/2026, 14. August 2026

RATGEBER APOTHEKENPRAXIS

Ein Wirkstoff, zwei Welten Die Darreichungsform entscheidet

Ein Fall aus CIRS-NRW

> Der vorliegende CIRS-Fall zeigt eine typische Verwechslung von Darrei chungsformen: Ein Arzt löst ein Rezept über Actonel® für eine Angehörige ein und lehnt ein Generikum ab, da er davon ausgeht, dass nur Actonel nach dem Essen eingenommen werden könne. Bei der Durchsicht der Kunden kartei wird jedoch deutlich, dass die Patientin zuvor Actonel erhalten hatte – allerdings in Form von Filmtabletten. Diese wurden von ihr ebenfalls nach dem Essen eingenommen, obwohl gerade diese Darreichungsform nüch tern eingenommen werden muss. Der entscheidende Punkt des Falls ist da mit klar: Es wurde nicht zwischen den un terschiedlichen Darreichungsformen un terschieden – und damit auch nicht zwischen den unterschiedlichen Einnah meschemata. Zwei Darreichungsformen – ein entschei dender Unterschied Actonel® enthält den Wirkstoff Rised ronat, ein Bisphosphonat zur Behand lung der Osteoporose. Trotz identischem Wirkstoff stellen die verfügbaren Darrei chungsformen von Actonel – die Filmta blette und die magensaftresistente Tab lette — zwei unterschiedliche „Welten“

Folgendes kritisches Ereignis fiel in einer Apotheke auf:

Fall-Nr.: 289109 Fehlendes Wissen und Aufklärung über die verschiedenen Darreichungsformen

Was ist passiert? Actonel gibt es sowohl als magensaftresistente Tablette und als Filmtablette. Ärztli che Person kam in die Apotheke und wollte für seine Angehörige ein Rezept mit einer Packung Actonel einlösen. Auf dem Rezept standen Actonel Tabletten, 35 mg, 12 Stück. Als die Frage aufkam, ob es auch ein Generikum seien könnte, verneinte ärztliche Per son dieses mit der Begründung, Actonel sei das einzige Produkt, was nach dem Essen genommen werden könnte. Durch einen Blick in die Kundenkartei wurde klar, seine Angehörige hatte bis jetzt immer Filmtabletten bekommen, die fälschlicherweise nach dem Essen genommen wurden. Wo sehen Sie Gründe für dieses Ereignis und wie hätte es vermieden werden können? Fehlende Beratung, fehlendes Wissen und Aufklärung über die verschiedenen Darrei chungsformen sowohl von Seiten der Apotheke als auch der ärztlichen Person, keine PZN auf dem Rezept, keine Nachfrage der Apotheke, ob die Tabletten Filmtabletten oder magensaftresistente Tabletten sein sollen.

dar: Sie unterscheiden sich grundlegend in ihrer Art der Freisetzung und ihrer Art der Einnahme. Bei der Filmtablette wird der Wirkstoff unmittelbar freigesetzt. Da die Resorpti on von Risedronat stark durch Nahrungs bestandteile – insbesondere polyvalente Kationen wie Calcium oder Magnesium – beeinträchtigt werden kann, sollte die Filmtablette vor dem Frühstück einge nommen werden, spätestens 30 Minuten vor der ersten Aufnahme von Nahrung. Wird die Tablette zusammen mit Nah rung eingenommen, kann der Wirkstoff

gebunden werden und steht für die Auf nahme kaum noch zur Verfügung. Die Folge ist eine deutlich reduzierte Biover fügbarkeit und damit eine potenziell un zureichende Therapie. Demgegenüber steht die magensaftresis tente Tablette. Diese besitzt einen speziel len Überzug, der den Wirkstoff im sauren Milieu des Magens schützt und überwie gend erst später im Dünndarm freisetzt. Dadurch wird die Aufnahme weniger von Nahrungsbestandteilen beeinflusst. Die Einnahme ist ausdrücklich nach dem Früh stück vorgesehen.

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