Mitteilungsblatt 2/2026, 16. April 2026

EDITORIAL

Wir müssen zusammenstehen

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

haben ihre Apotheken regelrecht zuplakatiert, Informationsstän de aufgebaut und ihre Patientinnen und Patienten aktiv über die aktuelle Lage informiert – während sie gleichzeitig, teilweise über die Notdienstklappe, weiterhin Arzneimittel abgegeben haben. In einem Ort haben sich drei Inhaberinnen zusammengeschlos sen, erhebliche Mittel investiert und eine eigene lokale Kampa gne gestartet – unter dem Motto: „Lass die Kirche im Dorf. Und das E-Rezept vor Ort.“ All das lange vor der Ankündigung des Protesttags. Dass eine solche Kampagne dann konsequent wei tergeführt wird, statt die Apotheke zu schließen, ist für alle nach vollziehbar, die selbst einmal ein solches lang geplantes Projekt umgesetzt haben. Ein hohes Gut unserer Selbstständigkeit ist es, Entscheidungen eigenverantwortlich treffen zu können – nicht auf Anweisung „von oben“. Es ist wichtig, sich gegenseitig zu mo tivieren an gemeinsamen Aktionen teilzunehmen. Ebenso wich tig ist es auch, dabei gegenseitig respektvoll und wertschätzend zu bleiben. Unser Berufsstand ist zu klein, um uns gegenseitige Vorwürfe oder gar Abwertungen leisten zu können. Deshalb gilt: Wir müssen – bei allen Unterschieden – zusammen stehen und uns mit vereinter Kraft politisch und gesellschaftlich konsequent einbringen. Jede und jeder auf seine und ihre Weise. Zusammen sind wir stark!

die Bilder aus der ganzen Republik waren beeindruckend. Der Protesttag am 23. März war eine kraftvolle, eine glaubwürdige Demonstration unserer politischen Forderungen. Danke an alle, die sich eingebracht haben. Ebenso wie in den Wochen davor, hat dieser Tag wie unter einem Brennglas gezeigt, was uns Apothekerinnen und Apotheker be wegt, wofür wir einstehen und was uns ausmacht. Auch wenn die langjährige Unterfinanzierung unserer Leistungen die größ te Bedrohung für die Arzneimittelversorgung und für unsere Existenz ist, zeigt sich in dieser Situation das große Verantwor tungsgefühl gegenüber unseren Patientinnen und Patienten. Wir wollen sie in ihrer Not nicht vor verschlossenen Apotheken türen stehen lassen. Wir wollen ihr Vertrauen in uns und unser Gesundheitssystem nicht aufs Spiel setzen, auch nicht um an einer Kundgebung teilzunehmen. Daher standen die Notdienst habenden Apotheken flächendeckend bereit für die notwendi ge Versorgungen. Einige haben ihre Apotheken nicht komplett geschlossen, weil es die zu versorgenden Pflegeheime nicht er möglichten oder Substitutionspatient*innen ihre Medikation pünktlich erhalten mussten. Sie im Stich zu lassen, ist für uns – schlicht ein „No-Go“. Hinzu kommt die kaufmännische Realität. Einen Montag zuschließen? „Nur wenn alle anderen im Ort auch mitmachen“, war ein Satz, den man vielerorts hörte. In kleineren Runden wurde zudem offen ausgesprochen, dass sich viele den wirtschaftlichen Verlust eines geschlossenen Montags kaum leisten können. Nach Jahren ohne spürbare Honorarsteige rung steht zahlreichen Betrieben das Wasser bis zum Hals. Und dennoch: Viele haben sich beteiligt, ihre Apotheke geschlossen und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbei ter sind zu den Kundgebungen gefahren. Manche

Gabriele von Elsenau Overwiening Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe E-Mail: praesidium@akwl.de

Made with FlippingBook - professional solution for displaying marketing and sales documents online